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Probier's mal mit... Dankbarkeit!

Samstag, 20. August 2016


Ich saß auf der Couch, auf der einen Seite der Liebste, auf der anderen eine Tüte Chips. Die Jogginghose war herrlich bequem und zur Abwechslung lief mal ein verdammt cooler Film im Fernsehen (click!). Beste Voraussetzungen also, um mich ausgezeichnet zu fühlen. Wäre da nicht diese schlechte Laune gewesen, die aus dem nichts gekommen war und meiner guten Stimmung innerhalb kürzester Zeit den Garaus gemacht hatte.

"Stimmt was nicht?", fragte der Liebste, als er bemerkte, wie sich mein zufriedenes Lächeln mit jeder Minute mehr und mehr verdunkelte. Hm... gute Frage. Stimmte was nicht? Augenscheinlich nicht. Wer konnte sich schließlich schon beschweren, wenn er mit seinem liebsten Menschen und einer Portion Knabberzeug herumlümmelte? Und dennoch war ich zwischen Inception und der Werbung über irgendein neues Duschgel geradewegs in ein Stimmungsloch gehüpft. Und zwar mit ordentlich Schwung. Ich war traurig und irgendwie unzufrieden geworden, ohne auch nur die leiseste Ahnung zu haben, woran es liegen könnte. Ratlos schaute ich mich im Wohnzimmer um. Ich hatte so Vieles, für das ich dankbar sein konnte und doch wusste ich es scheinbar nicht zu schätzen. Es dämmerte mir...

Meckern auf hohem Niveau. Wir alle tun es und zwar den lieben langen Tag. Morgens beschweren wir uns über den rücksichtslosen Autofahrer, der uns laut hupend die Vorfahrt nimmt, mittags über das scheinbar gänzlich ungewürzte Mittagessen in der Cafeteria und abends über die Pflichten im Haushalt, die noch erledigt werden müssen, ehe Jeans gegen Jogginghose und Business gegen Zweisamkeit ausgetauscht werden kann. Es gibt ständig etwas, über das man sich ausgiebig beschweren kann - solange man richtig sucht. Getreu dem Motto: Ich meckere, also bin ich. Doch wie oft machen wir uns bewusst, in was für einem Luxus wir eigentlich leben? Dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir mit einem Auto, der Bahn oder was auch immer zur Arbeit fahren können? Dass wir froh sein können, dass wir Mittags für wenig Geld etwas mehr oder weniger Gesundes essen können (click und click!)? Und dass wir echte Glückspilze sind, dass wir überhaupt eine Bleibe haben, die geputzt werden will. Von der Möglichkeit abends die Füße hochzulegen, mal ganz zu schweigen (click!).

Es gab so viele Gelegenheiten aufrichtig dankbar für etwas zu sein und dennoch hatte ich mich an besagtem Abend dazu hinreißen lassen, die Prinzessin auf der Erbse zu spielen. Und das zu einem hohen Preis. "Wie bescheuert", dachte ich und ärgerte mich fast ein wenig über mich selbst. Aber nur fast, denn genauso gut konnte ich auch einfach dankbar dafür sein, dass es mir aufgefallen war. Und das war ich. Denn wie sagte einst ein österreichischer Schriftsteller? Für dankbare Menschen macht das Glück gerne Überstunden.

Kommentare:

  1. Das hast Du sehr schön geschrieben!

    Neri

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  2. Ein toller, ehrlicher Post! Ich muss zugeben, dass ich lange Posts meist nur überfliege, aber hier habe ich mich schnell wiedergefunden und muss mir eingestehen, dass es mir häufig genauso geht... oft vergisst man/ich in der Meckerei über Dinge, die nicht geklappt haben oder einen stören, die Dinge die man bereits hat.
    Hast du wirklich sehr schön ausgedrückt :)

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    1. Danke, dann freut es mich umso mehr, dass du bis zum Schluss durchgehalten hast. :)

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