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Das Fräulein und die Tippfehler

Freitag, 30. Mai 2014


"He, passen Sie doch auf", hätte sie am liebsten gerufen, als ihr Sitznachbar ihren Ellenbogen von der Armlehne stieß um stattdessen seinen dort zu platzieren. Sie saß im Zug - mal wieder - und versuchte sich zu konzentrieren. Die nächste Klausurphase mitsamt wissenschaftlicher Arbeit stand bevor, da zählte jede Minute. Verärgert wandte sie sich vom hektischen Geschäftsmann neben ihr ab und widmete sich wieder ihrem Tablet. Ein Tippfehler nach dem anderen reihte sich auf dem Bildschirm auf. Seufzend löschte sie den letzten Satz wieder. "Auf ein Neues", sagte sie sich und begann erneut recht unbeholfen mit zwei Fingern auf dem leuchtenden Display herumzutippen.

Das Fräulein und die Themensuche

Freitag, 23. Mai 2014


Es war Freitagnachmittg. Völlig k.o. vom Mittagstief saß sie in der Journalismusvorlesung und schaute mit leerem Blick an die Tafel. "Sucht euch bis nächsten Montag ein Thema, über das ihr schreiben wollt", forderte der Dozent den Kurs gelangweilt auf. Scheinbar sehnte auch er sich nach dem bevorstehenden Wochenende. "Auch das noch", dachte sie. Denn ein Thema zu finden war gar nicht mal so einfach. Schließlich waren die Anforderungen hoch. "Du musst mir etwas bieten, was ich noch nie gelesen habe und was mir kein anderer erzählen kann", hatte der Dozent ihr zuvor eingeschärft. Wo sollte sie also ein Thema finden, über das noch nie berichtet wurde?

Das Fräulein und die Statement Kette

Freitag, 16. Mai 2014


Das Brötchen für den kleinen Hunger hatte sie schon lecker belegt und Lesestoff für die Fahrt war auch in ihrer Handtasche verstaut. Jetzt fehlte also nur noch der Zug. Doch der würde noch eine ganze Weile auf sich warten lassen. Genau genommen noch eine dreiviertel Stunde. Wie vertrieb man sich also sonntags in einem ausgestorbenen Bahnhof am besten die Zeit?

Das Fräulein und die sozialen Netzwerke

Freitag, 9. Mai 2014

Heute mal ein Text außer der Reihe. Er ist letzten Winter entstanden, als ich mir in einer Vorlesung 
Gedanken über "Vernetzung" machen sollte. Ich hoffe er gefällt euch!

 Es ist Samstagabend. Offensichtlich gelangweilt nippe ich an meinem Cocktail und schaue in der Gegend herum. Meine Begleitung scheint das nicht einmal zu bemerken. Ihre kunstvoll hergerichteten Gläser stehen noch immer unangerührt vor ihnen. Die Eiswürfel haben sogar schon zu schmelzen begonnen. Stattdessen tippen sie unermüdlich auf ihren Smartphones herum. Ich räuspere mich. Keine Reaktion. "A., wie lief es gestern Abend eigentlich mit S.?“, starte ich einen Versuch, die Aufmerksamkeit meiner Freundinnen wieder zurück an unseren Tisch zu holen. „Moment noch...“, murmelt A. und lädt einen Post mitsamt Markierung bei Facebook hoch. Verärgert wende ich mich L. zu. Doch sie ist gerade damit beschäftigt die vollen Cocktailgläser zu fotografieren und – darauf könnte ich wetten – bei Instagram hochzuladen. Seufzend lehne ich mich zurück und schaue mich um.

Kolumne: Warum sich Träume nicht von selbst verwirklichen

Freitag, 2. Mai 2014


Vergangene Woche tat ich etwas ganz schön Alltägliches und dennoch war das letzte Mal viel zu lange her: Ich steckte meine Nase in ein gutes Buch. Schmökerte den ganzen Tag, atmete den Duft der druckfrischen Seiten ein und vergaß die Welt um mich herum. Wie hatte ich es bloß so lange ohne ausgehalten? Genauer gesagt seit Weihnachten (zum Post)? Nach den Feiertagen konnte ich kaum aufhören zu schwärmen, von der Ruhe, der Entspannung, den fremden Welten, in die ich mich mit den Jahren immer seltener ziehen lasse. Doch woran liegt das eigentlich? Ist es nicht grotesk, dass ich zwar schon fast mein ganzes Leben lang davon träume, mir als Schriftstellerin einen Namen zu machen, jedoch immer seltener zu einem guten Buch greife? Wann lese ich eigentlich überhaupt noch? Wann nicht? Und wie konnte es passieren, dass Letzteres Überhand genommen hat?
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