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Das Fräulein und die Erleichterung

Samstag, 21. Dezember 2013


"Abgeben. Auch Sie, junge Dame". Eifrig schrieb sie weiter, den Füller fest zwischen ihre Finger geklemmt. "Sekunde noch", murmelte sie - mehr zu ihrem Blatt als zur Aufsicht. Verärgert schnalzte er mit der Zunge. Ihre Schrift wurde immer krakeliger. Ob der Dozent später überhaupt noch ein Wort lesen konnte? Sie schob den Gedanken beiseite. Das war nun wirklich nicht ihr Problem. Ungeduldig wedelte die Aufsicht mit der Anwesenheitsliste vor ihr herum. "Schluss jetzt!", bellte er. 

Kolumne: Warum Schubladen nicht das Wahre sind

Freitag, 8. November 2013


Wir alle kennen sie. Niemand mag sie. Zumindest nicht, wenn es darum geht von flüchtig Bekannten oder gar Unbekannten in eine einsortiert zu werden. Die Rede ist von der altbekannten Schublade, in die wir bereits nach wenigen Sekunden wandern oder andere wandern lassen können. Doch wieso tun wir das? Menschen mitsamt ihren persönlichen Eigenarten über einen Kamm scheren? Erfreut ist darüber doch schließlich niemand. Zumindest dachte ich das bis vor wenigen Tagen.

Das Fräulein und das Oktoberfest

Freitag, 18. Oktober 2013


Wie ein Film waren die vergangenen Stunden an ihr vorbeigezogen. Aufregend, mit unvorhersehbaren Momenten, und einer Menge Überraschungen. So hatte sie nach langem Hadern schließlich den Kampf um die Flechtfrisur vertagt und sich stattdessen in Schale geworfen, bereit hinaus in die Welt zu spazieren um Neues zu erkunden. Noch immer war sie milde erstaunt über ihren plötzlichen Anflug von Abenteuerlust, wo sie doch sonst eine der zögerlichen Sorte war. Spontane Einfälle lösten bei ihr eigentlich keinen Freudentaumel aus. Sie warf einen raschen Blick auf das Navi. In weniger als zehn Minuten sollten sie schon am Ort des Geschehens angekommen sein. Erwartungsfroh grinste sie vor sich hin und auch die Euphorie der Mitstreiterinnen schien wieder geweckt zu sein. Aufgeregt spekulierten sie, was sie alles erwarten könnte, auf dem Volksfest aller Feste.

Das Fräulein und die Flechtfrisur

Sonntag, 6. Oktober 2013


Kaputte Haargummis, verbogene Spängchen und nicht zuletzt strapazierte Nerven - das war das Ergebnis der zahlreichen mehr oder weniger erfolglosen Versuche, die bereits hinter ihr lagen. Doch sie ließ sich nicht entmutigen. Dieses Mal hatte sie ein gutes Gefühl. Erwartungsvoll trat sie vor den großen Spiegel und begutachtete ihre Frisur. Es dauerte keine zwei Sekunden, da fiel ihr Lächeln in sich zusammen.

Das Fräulein und der Schockmoment

Donnerstag, 12. September 2013


Angenehm warm prasselte das Wasser an ihr hinunter, hüllte ihren Körper in sanfte Dampfschwaden. Der süße Duft ihres Mandelshampoos lag in der Luft und leise Musik ertönte aus dem Radio auf der anderen Seite des Duschvorhangs. Lange war sie schon nicht mehr so entspannt gewesen und hatte die Strapazen des Alltages vollkommen hinter sich gelassen. Sie stieß einen wohligen Seufzer aus, schloss die Augen und spürte wie der warme Wasserstrahl über ihre Haut glitt. Wie spät es wohl war? Sie hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Prüfend warf sie einen Blick auf ihre Handinnenflächen - lange genug geduscht. 

Kolumne: Warum es sich positiv leichter lebt

Samstag, 7. September 2013


Ob Pickelchen im Gesicht oder Erdbeerflecken auf der Bluse: irgendetwas ist immer. Besonders dann, wenn es drauf ankommt und die Nervosität Überhand zu gewinnen droht. Immer dann scheint es das Schicksal besonders gut zu meinen und legt einen Stein nach dem anderen in den eigentlich geebneten Weg. So erging es mir während der letzten zwei Wochen. Doch beginnen von vorne. Vor einiger Zeit erfuhr ich es: ich sollte bei einem Fotoshooting mitwirken. Was für manch einen wie der Himmel auf Erden klingt, glich in meinen Ohren einer mittelschweren Katastrophe. 

Das Fräulein und der Liebste

Sonntag, 18. August 2013


Wehmütig blickte sie ihm nach, als er in den wartenden Zug stieg. Passanten eilten an ihr vorbei, rempelten sie an, doch es kümmerte sie nicht. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt, ihn anzuschauen und mit jeder Faser ihres Körpers zu vermissen. Zögerlich drehte er sich zu ihr um und ihre Blicke trafen sich ein letztes Mal. Die Trauer stand ihm ins Gesicht geschrieben. Ihre Unterlippe begann zu beben. Mit einem schrillen Pfeifen schlossen die Türen und der Zug setzte sich in Bewegung. Sie biss sich auf die Lippe, doch der Kloß in ihrem Hals wuchs immer weiter und ihre Augen füllten sich mit Tränen.

Kolumne: Warum gute Vorsätze nicht sind, was sie zu sein scheinen

Freitag, 12. Juli 2013


Seit Tagen war es da, begleitete mich auf Schritt und Tritt, wie ein Schatten, der nicht von meiner Seite weichen wollte. Wovon ich rede? Von diesem seltsamen Gefühl, dem unheilverkündenden Kribbeln im Bauch, dem flachen Atem und Herzrasen, kurz: der inneren Unruhe. Ein durchaus unliebsamer Gast. Beinahe unbemerkt schleicht er sich heran, nistet sich ein und lässt die Konzentration schwinden. Eines Morgens wacht man auf, gänzlich eingenommen von jenem Gefühl und kann es nicht mehr leugnen: irgendetwas stimmt nicht. Hunderte Fragen tauchen auf, schwirren im ohnehin schon grübelnden Köpfchen umher, benebeln die Sinne und man begreift, es ist an der Zeit zu handeln. 

Das Fräulein und die Ungeduld

Sonntag, 23. Juni 2013


Ungeduldig wippte sie von einem Fuß auf den anderen. Ihren Koffer hatte sie längst abgestellt und trommelte nun mit den Fingern auf der Lehne des Sitzes neben ihr. Sie hatte zwar schon einige böse Blick dafür geerntet, doch sie konnte nicht anders. Je länger sie sich die Beine in den Bauch stand, desto größer wurde ihre Ungeduld. Der schwerfällige Vordermann ließ sich davon allerdings nicht beirren. Glänzende Schweißperlen tropften mittlerweile an seinem purpurfarbenen Gesicht herunter.

Das Fräulein und die Freiheit

Montag, 17. Juni 2013


Zum hundertsten Mal, so kam es ihr vor, wanderten ihre Finger zum Stapel Papier, der sich immer großflächiger über den Tisch verteilte, je weiter die Zeit voran schritt. Verstohlen warf sie einen Blick auf die Uhr. Nicht einmal mehr zehn Minuten blieben ihr. Das Papier raschelte unter ihren zitternden Fingern, als sie nach der letzten Seite griff, die es noch zu meistern galt. 

Kolumne: Warum Schweigen nicht immer Gold ist

Dienstag, 11. Juni 2013


"Wenn du nichts zu sagen hast, dann tu' den Leuten einen Gefallen und halt die Klappe." Zack - das saß. Ungläubig starrte ich ihn an, den Mann, dessen Job es war, seine Studenten zu ermutigen, wenn sie mit der ein oder anderen Hürde zu kämpfen hatten. Ein kleiner Satz mag man meinen, doch seine Bedeutung erschütterte mich zutiefst. In der Tat, es gab sie, es gibt sie und es wird sie immer geben: diese Leute, die pausenlos reden, ob sie nun etwas zu sagen haben oder nicht. Während einige das Weite suchen, erliegen andere ihrem Wortschwall. Lassen sich berieseln, genießen vielleicht sogar den Moment der Stille im eigenen Kopf, wenn die Gedanken zur Ruhe kommen und keinerlei Reaktion auf das Erzählte erwartet wird. Doch darum ging es nicht. Es ging um weitaus mehr. Es ging um die Zukunft. 

Das Fräulein und der Plan

Mittwoch, 5. Juni 2013


Selbstzufrieden lächelnd blickte sie auf das Blatt Papier auf ihrem Schreibtisch. Nicht die kleinste weiße Ecke hatte ihren Übereifer überstanden. Statt ebenmäßiger Fläche zierten nun Punkte und Sterne in allen Farben des Regenbogens die Ränder, je nach Wichtigkeit und Zeitaufwand. Überschriften, Stichpunkte und unzählige Tabellen erstreckten sich über das Papier. 

Kolumne: Warum wir uns manchmal selbst im Weg stehen

Dienstag, 7. Mai 2013


Fast einen Monat ist es nun her, dass ich meine Fühler ausstreckte um mich an etwas Neues heranzutasten: meine eigene Kolumne. In heller Begeisterung lief ich durch die Welt, auf der Suche nach möglichen Themen - manchmal schreckte ich sogar aus dem Schlaf, weil mir eine Idee in den Sinn gekommen war - und malte mir in aller Ausführlichkeit aus, wie das Resultat aussehen könnte. Mit jedem weiteren Detail, mit dem ich meine Fantasie ausschmückte, wuchs die Euphorie noch ein kleines bisschen mehr, doch mit ihr auch eine mittelschwere Schreibblockade.

Das Fräulein und der Störenfried

Mittwoch, 10. April 2013


Zarte Dampfschwaden stiegen auf, als sie die glänzende Oberfläche des Wassers betrachtete. Genüsslich nahm sie einen tiefen Atemzug. Ein Meer aus Blumen, getaucht in das schwache Licht des Mondes erschien vor ihrem inneren Auge. Lächelnd beugte sie sich über den Badewannenrand und betrachtete ihr verzerrtes Spiegelbild in einer der großen, glänzenden Seifenblasen. Wie lange hatte ihr die Zeit gefehlt, es sich mal wieder gut gehen zu lassen? Voller Vorfreude tauchte sie einen Fuß ins Wasser. Eine angenehme Wärme kroch ihre Beine hoch. Vorsichtig - um die Wanne nicht zum Überlaufen zu bringen - ließ sie sich in das Schaumbad sinken. Sie spürte wie ihr Herz langsamer zu schlagen begann und der Duft von Lavendel ihre Sinne benebelte. Seufzend schloss sie die Augen und lauschte dem leisen Ploppen der platzenden Seifenblasen.

Das Fräulein und der Frühling

Samstag, 9. März 2013


Gleichmäßig klackerten die Absätze ihrer Schuhe auf dem alten Kopfsteinpflaster, als sie gemütlich durch die mittelalterlichen Straßen spazierte. Hübsche Fachwerkhäuser waren nebeneinander aufgereiht, getaucht in das sanfte Licht der Morgensonne. Lächelnd blickte sie in den Himmel. Kaum ein Wölkchen war zu sehen, dafür flog hier und da ein Vogel über ihren Kopf hinweg. Der Frühling lag in der Luft, das spürte sie genau.

Das Fräulein und Bloglovin

Sonntag, 17. Februar 2013

Hallo ihr Lieben,
für all diejenigen unter euch, die vielleicht eine Alternative zum klassischen Google Friend Connect suchen um über die neuesten Blogbeiträge auf dem Laufenden zu sein, ist "Fräuleins Tagebuch" nun auch bei Bloglovin vertreten. Über den unten stehenden Link gelangt ihr direkt auf die Seite.

Ich wünsche euch weiterhin viel Spaß beim Lesen!

Das Fräulein und der Tag der Liebenden

Samstag, 16. Februar 2013


Endlich war der lange Arbeitstag geschafft. Erschöpft ließ sie sich auf ihr weiches Bett mit dem kuscheligen Überwurf fallen und griff nach der Zeitschrift, die seit Tagen auf ihrer Kommode lag. "Liebes-Special zum Valentinstag" hieß es auf dem Titel des Magazins. Mal sehen, was sie dieses Jahr für unsinnige Tipps gaben um die große Liebe zu finden. Reinster Unfug, wie sie befand. Die Liebe suchte man nicht, man ließ sich von ihr finden. Doch immerhin waren die Berichte leichte Kost. Genau das Richtige für ihren müden Kopf.
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